Auf einem Traktor am Meer

Auf einem Traktor am MeerBauer Otto hatte schon bei unserer Ankunft versprochen, dass wir einmal auf seinem Traktor mit zum Strand fahren dürfen. Endlich war es soweit. Dick eingepackt – es war noch keine Badesaison, wartete ich schon ganz aufgeregt, mit meiner Schwester Julia im Schlepptau, bei der Scheune des Ferienhofes auf unseren Chauffeur.

„Na freut ihr euch schon?“, begrüßt uns Otto gut gelaunt. „Ja und wie.“, antworten wir fast gleichzeitig. Otto zieht das Rolltor der Scheune auf. „Ich fahr die alte Lady erstmal raus.“ Und schon ist er in der Scheune verschwunden. Nach ein paar Augenblicken hören wir ein wummerndes Geräusch. Wenig später steht ein großes Fahrzeug mit tuckerndem Motor vor uns. Die „alte Lady“, wie Otto seinen Traktor liebevoll nennt, bietet genug Platz für den Fahrer und zwei Begleiter. Wir genießen die Fahrt und können es kaum erwarten das Meer zu sehen.

Einen Wegweiser, auf dem das Wort „Strand“ steht, kommentiert Otto knapp: „Es ist nicht mehr weit.“ Zum erstenmal in meinem Leben werde ich das Meer sehen. Ich grinse vor Glück und knuffe Julia übermütig in die Schulter. Die geteerte Straße führt noch ein kurzes Stück steil bergauf. „Jetzt sind wir da.“, verkündet Otto. Der Traktor steht auf der Anhöhe. Otto schaltet in den Leerlauf. Mit großen Augen bestaunen wir den Strand und das Meer, das sich in einem endlosen Horizont verliert. Otto fährt weiter. Die geteerte Straße endet abrupt. Die großen Reifen des Traktors graben sich durch nassen Sand. Der Strand ist fast menschenleer. Weit entfernt erkennt man die Umrisse einiger Spaziergänger. Otto will möglichst nah ans Wasser. Trotz des Motorengeräusches hören wir das Meer rauschen. Wie bestellt kreist ein Möwenschwarm am Himmel.

Auf einem Traktor am MeerOtto will uns etwas Besonderes bieten und steuert seine „alte Lady“ möglichst knapp an die Brandung. Zusätzlich taucht die untergehende Sonne die Landschaft in ein reizvolles Abendrot. Wir sind überglücklich. „Dürfen wir ans Wasser?“, will Julia wissen. Otto kann diesen Wunsch nicht abschlagen. Sobald er angehalten hat, klettern wir aus dem alten Fahrzeug.
„Passt auf, dass nur die Gummistiefel nass werden, sonst bekomme ich Ärger mit euren Eltern.“, ruft Otto hinterher. Übermütig rennen wir am Strand entlang, dem weichendem Wasser nach und vor den ankommenden Wellen davon. Im feinkörnigem Sand entdecken wir Muschelschalen, die wir freudestrahlend aufsammeln. Es dämmert bereits, doch wir wollen uns noch nicht von dieser neuen Welt verabschieden. Bevor wir auf den Ferienhof zurückkehren, haben wir Otto überredet mit uns noch eine Weile am Strand entlang zu fahren.