Zurück zur Natur

Hilfe gegen Streß: Urlaub auf dem BauernhofKurz nach sieben. Schon wieder so spät. Die Tochter noch schnell beim Kindergarten vorbeifahren, dann hinein in den Stau Richtung Stadtmitte. Jemand nimmt mir die Vorfahrt. Fast hätte es gescheppert. Ausgerechnet heute am letzten Tag vor dem Jahresurlaub. Ich hupe und schimpfe wie ein Rohrspatz.

Kurz nach halb acht. Endlich ist mein Arbeitsplatz in Sichtweite. Zehn Stockwerke, moderner Baustil. Glasfassade und doch undurchsichtig.

Viertel vor acht. Ich fahre in die Tiefgarage. Mein Parkplatz befindet sich auf Parkdeck 3. Ich traue meinen Augen nicht, ausgerechnet heute hat dort jemand seinen Wagen abgestellt. Zum Ärgern bleibt keine Zeit. Schnell gewendet und zurück auf die Straße.

Fünf vor acht. Und immer noch kein Parkplatz in Sicht. Erst zwei Straßen weiter finde ich einen. Zurück geht es im Laufschritt.

Fünf nach acht. Mal wieder zu spät. Zum drittenmal in dieser Woche, wahrscheinlich muss ich deshalb beim Chef antanzen. Im Aufzug wische ich mir die Schweißperlen von der Stirn. Im Büro, wie seit Wochen, nur Chaos. Ich versuche das Unmögliche: Am letzten Tag vor dem Urlaub Ordnung zu schaffen. Das kostet mich zwei Überstunden. Der Vorteil: Der Stau auf dem Nachhauseweg ist nicht mehr so lang. Die Familie wartet bereits. Anstatt noch am späten Nachmittag Richtung Ferienhof loszufahren, verschiebe ich die Anreise auf den nächsten Morgen.

Zurück zur NaturStau auf der Autobahn. Die Kinder nerven: „Wann sind wir endlich da? Langweilig. Ich muss mal auf’s Klo.“ Meine Frau ist verdächtig ruhig. Endlich ist die Ausfahrt in Sicht. Von da an nur noch Landstraße. Langsam spüre ich Urlaubsfeeling aufkommen …

Wir sind nun seit einer Woche auf unserem Ferienhof. Die Kinder spielen jeden Tag mit den Tieren. Sie holen Eier aus den Hühnernestern und helfen schon fast übereifrig bei der Stallarbeit. Am Ende des Urlaubs winkt dafür eine Belohung: das Stalldiplom. Nachmittags dürfen sie dann mit dem Bauer auf dem Traktor über die Felder fahren und sind bei einer geführten Ponywanderung dabei. Inzwischen mache ich mit meiner Frau ein Picknick auf dem Hofgelände. Wir liegen auf einer Decke unter einem großen Baum. Ich komme endlich mal wieder dazu in einem dicken Buch zu schmökern. Wann habe ich das Letztemal privat etwas gelesen? Es muss im vergangenen Urlaub gewesen sein.

Am vorletzten Tag macht die ganze Familie eine traumhafte Radtour. Die Drahtesel können wir uns auf dem Hof ausleihen. Unsere Tour führt über schattige Waldwege und sonnenbeschienene Wiesen. An einem kühlen Bach rasten wir. Ich muss an das Hochhaus, meinen Arbeitsplatz, denken.

Es heißt Urlaubstage gehen doppelt so schnell vorbei. Wie wahr. Und schon sitzen wir wieder im Auto. Auf der Rückfahrt läuft „Irgendwann bleib i dann dort“ im Radio und ich träume bereits von meinem nächsten „Urlaub auf dem Bauernhof“.