Frauenmantel

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Aktualisiert am 28. Juli 2023 von Bauernhofurlaub.de

Frauenmantel © unverdorbenjr - stock.adobe.com

Der Frauenmantel besitzt umhang- oder mantelartig gelappte und gezähnte Laubblätter. Darin sammeln sich vor allem früh am Morgen kreisrunde, golden schimmernde Tautropfen. Diese zarte Pflanze trägt grüngelbliche, feine Blüten an doldigen Rispen. Wie ihr Name bereits vermuten lässt, hat sich diese Heilpflanze seit Jahrhunderten vor allem in Sachen Frauenheilkunde bewährt. Ihr Wirkspektrum ist jedoch weit umfangreicher, denn es gibt kaum einen Körperbereich, auf den diese Heilkräuter keinen wohltuenden Einfluss haben.

Steckbrief

Name: Alchemilla
Pflanzenfamilie: Rosengewächse (Rosaceae)
Vorkommen: Ursprünglich beheimatet in Europa, Afrika und Asien, wächst vorwiegend in hohen Gebirgslagen
Wuchs: Zwischen 40 bis 50 cm hoch, bildet einen dunkelbraunen, kriechenden, verholzten Wurzelstock sowie eine Grundblattrosette aus, daraus erwachsen die Stängel.
Aussehen: Strauchförmige, krautige, ausdauernde, sommergrüne Pflanze mit unscheinbaren, kleinen gelben bis grüngelben Blüten, die aus einem Kelchbecher wachsen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind meist behaart. Fächerförmige 5 bis 15 cm breite, hellgrüne Laubblätter mit gezähntem Rand, die Frauenmantelfrüchte oder Samen treten in Form kleiner Nüsse auf.
Besonderheit: Heil- und Zierpflanze, Viehfutterpflanze
Aussaat der Samen im Freien: Oktober bis Januar
Anbau: Sonniger bis halbschattiger Standort, nährstoffreicher, feuchter, durchlässiger Boden, Samen sind Licht- und Frostkeimer, nur leicht in die Erde drücken und feucht halten, Samenschalen dürfen nicht austrocknen, pro Meter höchstens fünf Samen ausbringen, Pflanze breitet sich später breit und üppig aus.
Pflege: Viel gießen, benötigt viel Licht, mit Kompost oder Rindermistpellets düngen, nach der Ernte den Boden nochmals kräftig düngen (Nährstoffzehrer). Nach der Blütezeit (meist im August) sollte die Pflanze stark zurückgeschnitten werden.
Blüte: Mai bis August
Erntezeit: April bis August (sowohl die Blüten als auch die Blätter werden geerntet)

Inhaltsstoffe des Frauenmantels

Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle, fette Öle, Flavonoide, Phytosterine, Kieselsäure, Lecithin, Salicylsäure, Saponine, Carotinoide, Glykoside, Tannine sowie Calciumoxalat (wird in den Drusen gebildet, die in sämtlichen Pflanzenteilen vorkommen).

Namensvielfalt des Frauenmantels

Liebfrauenmantel, Zugmantel, Röckli, Krausemäntelchen, Regendächle, Sinau, Taubecher, Taublatt, Gänselgrün, Schweinsrose, Ohmkraut, Mutterkraut, Wundwurz, Milchkraut, Allerfrauenheil, Frauentrost, Alchemistenkraut, Frauenrock, Marienkraut, Weiberkittel, Tauschüsserl, Taufänger, Frauenhäubel, Löwenfusskraut, Muttergottesmantel, Perlkraut, Neunlappenkraut, Regendachl, Taukraut, Taumantel

Besonderheit des Frauenmantels

Es gibt weltweit rund 1000 verschiedene Frauenmantelarten, von denen etwa 300 Arten im europäischen Raum beheimatet sind.

Die Blüten besitzen einen Geruch der an Käse oder Pferdeäpfel erinnert, davon werden unzählige, dungliebende Insekten angelockt.

Woher der Frauenmantel seinen Namen hat

Den Begriff „Frauenmantel“ erhielt diese Heilpflanze aufgrund ihrer gefalteten und fächerartig aufspreizenden Laubblätter, die wie in Umhang oder eben wie ein Frauenmantel aussehen. Mariendarstellung zu Zeiten des Mittelalters zeigen die Muttergottes des Öfteren mit so einem umhangartigen Mantel.

Der lateinische Name „Alchemilla“ ist abgeleitet von der „Alchemie“ und fand erstmals im Jahre 1485 urkundliche Erwähnung im Kräuterwerk „Gart der Gesundheit“. Alchemilla heißt übersetzt die „kleine Alchemistin“. Der Frauenmantel hat eine besondere Eigenschaft, er sondert Wassertropfen auf seinen Blättern ab, um aus den Wurzeln überschüssiges Wasser auszuleiten und den Nährstofftransport zu gewährleisten. Diesen Vorgang nennt man „Guttation“ und diese Guttattionstropfen wurden von den frühen Alchemisten zu Versuchszwecken verwendet. Deshalb wurde der Frauenmantel auch Alchemistenkraut genannt.

Geschichte des Frauenmantels

Der Frauenmantel als Heilpflanze

Die beiden Heilkundigen Plinius und Dioskurides schrieben dem Frauenmantel die nachfolgenden Eigenschaften zu: Liebeszauber, weckt verrückte Träume, hilfreich bei der Geschwulstbehandlung und vermag eingedrungene Gegenstände wie zum Beispiel Splitter oder ähnliches herauszuziehen.

Um das Jahr 1500 erschien im „Kleinen Destillierbuch“ des deutschen Botanikers und Wundarztes Hieronymus Brunschwig, dass aus der Wurzel und dem Kraut des Frauenmantels ein Destillat zu fertigen sei. Dieses sollte bei Wunden gegen die „böse Hitze“ helfen, ebenso bei Erkrankungen der weiblichen Brust und auch für „gebrochene Leut“.

Carl von Linné, ein namhafter schwedischer Naturforscher, erwähnte den Frauenmantel unter der Gattung Alchemilla erstmals im Jahre 1753 urkundlich in seinem Kräuterwerk Species Plantarum.

Die Volksmedizin verwendet den Frauenmantel von jeher zur Wundbehandlung, bei Blutungen und Frauenkrankheiten, aber auch bei Nierensteinen, Bauchschmerzen, Geschwüren und Kopfweh. Sämtliche mitteleuropäischen Frauenmantelarten wurden als Arzneipflanzen, oder auch als Zauber- und Kultpflanzen verwendet. Die behaarten Arten werden bis heute gerne in Parks, Stein- und Kräutergärten als Zierstaude angepflanzt.

Sagenumwobener Frauenmantel

Die vom Frauenmantel abgesonderten, goldglänzenden Wassertropfen auf den Blättern wurden einst mit den Blutstropfen des gekreuzigten Jesus verglichen. Weiterhin wurden sie den Tränen der Muttergottes Maria zugeschrieben. Die fächerförmigen Laubblätter verglich man wiederum mit dem Abdruck, den Löwen- und Gänsefüße hinterlassen.

Die Römer weihten den Frauenmantel der Göttin Venus, die alten Germanen der Liebesgöttin Freya.

Verwendung in der bäuerlichen Küche

In den Bauernküchen hielt der Frauenmantel als Zutat in Wildkräutersalaten aber auch in Suppen mit Wildkräutern Einzug. Hierfür wurden nur die frischen Blätter verwendet, da getrocknete Blätter einen strengen Geschmack aufweisen. Wenn die jungen Laubblätter in den Frühlingsmonaten frisch geerntet und verarbeitet werden, haben sie eine säuerliche, leicht bittere Note.

Das Pflanzenkraut des Frauenmantels wurde in den Sommermonaten gerne erfrischenden Obstlimonaden aus Birnen, Äpfeln oder Kirschen zugesetzt. Hierzu kochte man das Kraut zunächst ab, ließ es abkühlen und versetzte das erkaltete Kochwasser mit den Früchten.

Anwendung

Frauenmantel © fotoknips - stock.adobe.com

Kosmetische Anwendung

Der Frauenmantel ist nur in wenigen Kosmetikprodukten zu finden, dabei handelt es sich meist um Cremes oder Badezusätze. Kaltwasserauszüge aus Frauenmantelblättern können selbst hergestellt werden, um damit Hautprobleme zu lindern und Wunden rascher zum Schließen zu bringen.

Heilfördernde Anwendung

Der Frauenmantel wird insbesondere für alle Arten von Frauenleiden wie zum Beispiel Menstruations- oder Wechseljahresbeschwerden, Weißfluss, Prämenstruelles Syndrom (PMS), Nachtschweiß oder Östrogen-Dominanz eingesetzt. Zudem fördert der Frauenmantel die Bildung von Muttermilch bei stillenden Frauen. Weiterhin ist diese Pflanze für leichtere Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, bei Arteriosklerose, Asthma, zur Behandlung von Aphten sowie zur Blutreinigung im Einsatz. Sie wird auch bei grippalen Infekten, Fieber und anderen Erkältungsbeschwerden eingesetzt, aber auch zur Durchspülung der Nieren, bei Blähungen und Durchfall sowie bei Augenschwellungen und Bindehautentzündungen. Diverse Schleimhautentzündungen, beispielsweise der Mund- und Rachenschleimhaut können ebenfalls mit dem Frauenmantel behandelt werden.

Äußerlich angewendet wird der Frauenmantel zur Behandlung von Wunden, Geschwüren, Eiterherden, Furunkeln und Ekzemen eingesetzt.

Wirkungen des Frauenmantels im Kurzüberblick

    • Harntreibend
    • Krampflösend
    • Herzstärkend
    • Wundheilfördernd
    • Entzündungshemmend
    • Verdauungsfördernd
    • Antioxidativ
    • Blutreinigend
    • Schmerzstillend
    • Antibakteriell
    • Zusammenziehend
    • Abschwellend
    • Blutbildend
    • Tonisierend
    • Muttermilchfördernd

Nebenwirkungen

Im Allgemeinen sind keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen des Frauenmantels bekannt.

Schwangere Frauen sollten auf Präparate mit Frauenmantel verzichten, da diese Heilpflanze krampflösende Eigenschaften besitzt. Das kann die Gebärmutter stimulieren, wodurch es zu Komplikationen oder gar zu einer Frühgeburt kommen könnte. Da die Wirkung des Frauenmantels auf Kinder unter 12 Jahren nicht ausreichend erforscht ist, wird von einer innerlichen Einnahme dieser Heilpflanze abgeraten.

Manche Menschen vertragen den hohen Gehalt an Gerbstoffen des Frauenmantels nicht und reagieren darauf mit Übelkeit, Blähungen oder anderen Magenbeschwerden. Dann sollte das Präparat abgesetzt werden. Die enthaltenen Gerbstoffe können die Medikamentenaufnahme über den Darm beeinträchtigen, deshalb sollte man sie nicht gemeinsam mit weiteren Arzneien einnehmen!

Der Frauenmantel im Handel

In örtlichen Gartencentern findet man nur selten Samen und vorgezogene Pflanzen des Frauenmantels, die Chance sie erwerben zu können ist im Onlinehandel am größten. Im kosmetischen Bereich ist der Frauenmantel selten vertreten, dann meist in Form von Cremes und Badezusätzen. In der Medizin findet man Tees, Trockenextrakte, Salben, Tinkturen, Gurgellösungen und Pflaster, welche die Wirkstoffe des Frauenmantels enthalten.

Fazit

Die Heilpflanze Frauenmantel zählt zur Pflanzengattung der Rosengewächse und ist insbesondere in den Ländern der „Alten Welt“ zuhause. Vorwiegend für Frauenleiden im Einsatz macht der Name dieser Pflanze ihren Eigenschaften alle Ehre. Die Blätter des Frauenmantels erinnern an den wehenden Umhang einer Frau.