Ländliche-Faschingsspezialitäten – bunte Leckerbissen direkt aus der Bauernküche

Mädchen mit Krapfen

Die gängigsten Begriffe für die ausgelassene und närrische Periode vor der sechs Wochen andauernden Fastenzeit vor Ostern heißen Fastnacht, Fasching, Karneval, Fasnet oder auch „Die fünfte Jahreszeit“. 
Der offizielle Beginn der fünften Jahreszeit ist für die Faschingsnarren alljährlich am 11. November um 11 Uhr 11 und wird vielerorts mit lautem „Rätschendrehen“, den Narrenrufen „Helau“ und „Alaaf“ sowie diversen Büttenreden eingeläutet. Den Höhepunkt bildet jedes Jahr die Karnevalswoche im Februar.

Allgemeines zum Fasching/Karneval

Die hauptsächlichen Fastnachtstage sind der Schmotzige Donnerstag oder auch Gründonnerstag genannt, an dem die Weiberfastnacht stattfindet, der Rußige Karnevalsfreitag, der Schmalzige Faschingssamstag, der Tulpen- oder Fastnachtssonntag, der Rosenmontag und der Faschingsdienstag. Dann am darauffolgenden Tag ist Aschermittwoch, da beginnt die Fastenzeit und dann ist es mit dem närrischen Treiben der Jecken wieder vorbei.

Deutsche Faschingshochburgen

Das Rheinland mit den Hochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf sowie die schwäbisch-alemannische Fastnacht, die vor allem im Schwarzwald und bis weit über die Schweizer Grenze hinaus wild gefeiert wird, sind die bekanntesten deutschen Faschingsmetropolen.

Im Schwarzwald und Umgebung sollte man die alemannischen Fastnachtsumzüge in Villingen-Schwenningen, Rottweil, Lauffen, Singen, Schramberg, Rottenburg am Neckar, Stockach, Überlingen, Weingarten, Pfullendorf und Markdorf besuchen, die für ihre gruseligen, aus Holz geschnitzten Hexenmasken und furchteinflößenden Kostüme überregional bekannt sind.

Aber auch die so genannten Perchtenläufe im alpenländischen Brauchtumsraum sind sehenswert. Sie haben ähnlich der schwäbisch-alemannischen Fastnacht einhergehende Kostümierungen und dienen allesamt dem Zweck des Winteraustreibens und zum Schutz vor bösen Geistern. Solche Dämonen sollen traditionsgemäß mit lautem Peitschenknall, Rätschen-Getöse und ohrenbetäubendem Glockengeläut vertrieben werden. Die Narren tragen solche „Karbatschen-Peitschen“ und Rätschen bei sich und haben diverse Glocken am Kostüm befestigt. Im schwäbischen Raum rund um die raue Ostalb sind die Faschingsumzüge wegen ihrer stimmungsvollen Guggenmusik überregional bekannt und vielbesucht.

Bauernhofurlaub verbinden mit buntem Faschingstreiben

Viele Ferienbauernhöfe veranstalten gerade in dieser Zeit eigene stimmungsvolle Faschingspartys auf ihren Gehöften, vor allem natürlich für die kleinen Feriengäste. Das reicht vom lustigen Schminken über das Basteln und Schneidern von Kostümen bis hin zur launigen Faschingsfete in der beheizten Spielscheune. Apropos Scheune! Die Landwirte verfügen über die notwendigen Traktoren und anderen Großzugmaschinen, um die reich dekorierten Umzugswagen für einen Faschingsumzug überhaupt ziehen zu können. Außerdem haben sie diverse große Scheunen auf ihrem Anwesen, wo das Zusammenstellen und Schmücken der Umzugswagen auch bei schlechtem Wetter möglich ist.

Die umliegenden Bauern der Karnevalshochburgen werden also in jedem Jahr von November bis zum Aschermittwoch in das rege Faschingstreiben aktiv mit eingebunden. Natürlich kann man auf diesen Urlaubsbauernhöfen als Feriengast auch nächtigen, um die oftmals bis in die tiefe Nacht andauernde Faschingsparty ruhig und gemütlich ausklingen zu lassen.

Diese Ferienhöfe liegen in der Nähe der Faschingshochburgen:

Kulinarische Vielfalt auf Ferienhöfen zur Fastnacht

Feine Krapfen aus der Bauernhof-Küche
Feine Krapfen aus der Bauernhof-Küche

Von den Bäuerinnen werden zur Fasnet leckere Faschingsspezialitäten serviert oder man kann die Speisen sogar mit der Gastgeberin gemeinsam in der großen Bauernküche selbst zubereiten. Das gilt natürlich auch für das Backen von Kuchen, Gebäck und anderen Süßspeisen. Sehr beliebt sind dabei immer die mit Marmelade gefüllten und mit Puderzucker bestäubten Faschingskrapfen sowie die leckeren Muffins, die mit einem Zuckerguss und lustigen Clowns- oder Tiergesichtern versehen werden.

Köstliche Cup Cakes mit einer feinen Schoko- oder Vanillehaube, die mit kunterbunten Smarties oder essbaren Konfettis verziert werden sind ebenso der Renner wie pfiffige Igel-Steckkissen, in denen anstelle von Stacheln mit Trauben, Würstchen, Tomaten, Speck, Oliven und Käsewürfeln bunt bestückte Partyspieße stecken.

Die Bäuerliche Küche ist gerade jetzt ein wahrer kulinarischer und optischer Augenschmaus! Die Bauersfrauen sind zügellos und ungebremst in ihrer Ideenvielfalt zur Faschingszeit, von Mini-Berlinern und Amerikanern über „Ausgezogene“, das sind meist mit Äpfeln gefüllte Teigtaschen, bis hin zu süßen, blauen Kekskrümelmonstern, Wurstschnecken und witzig belegten Piccolino-Pizzatörtchen sind ausgefallenste Karnevalsrezepte dabei, die Kinderherzen höher schlagen lässt.

Woher stammen die Namen Fasching und Karneval?

Fasching kommt aus dem Mittelhochdeutschen und stammt vom Wort „Vastschanc“ ab, was so viel wie „Fass“ bedeutet. Damit sind in Bezug auf den Fasching nicht nur feuchtfröhliche Trinkgelage gemeint sondern vor allem der Ausschank eines Starkbieres als eine Art Fastentrunk!

Karneval hingegen leitet sich ab von dem Begriff „carne vale“ ab, was eine Art Abschiedsgruß durch die Wegnahme des Fleisches während der Fastenzeit bedeutet.

Gourmet- und Brauchtums Karnevals–Highlights einzelner Bundesländer

Das berühmte „Mardi Gras“ Festival in Amerika heißt nichts anderes als „Fetter Dienstag“ und gemeint ist damit der Fasnachtsdienstag, an dem es weltweit vorwiegend „fette Speisen“ gibt, bevor am nächsten Tag mit dem Aschermittwoch die vorösterliche Fastenzeit beginnt.

Jetzt wird noch einmal so richtig geschlemmt mit Schweinefleisch, Speck, Eiern und fettem Fisch. Selbst unzählige Hühner wurden einst vor den tollen Tagen geschlachtet, da das Essen von Eiern in der 40-tägigen Fastenzeit nicht erlaubt war. Deshalb mussten auch die „Eierlieferanten“ traditionell als „Fastnachtshühner“ in großen Mengen ihr Leben lassen.

Die Kölner Gastronomen bieten an Karneval die beliebte deftige Speise „Himmel un Äd“ an, was Himmel und Erde bedeutet und sich aus Blutwurst, Kartoffelpüree, Äpfeln und gebratenen Zwiebeln zusammensetzt. In Norddeutschland isst man zur Fastnachtszeit vorwiegend Heringe, Schnecken und Kutteln.

In den nordrheinwestfälischen Karnevalshochburgen Düsseldorf und Köln ist das leckere Mürbeteiggebäck, die so genannten „Mutzenmandeln“, der absolute Hit. Wegen ihrer handlich kleinen Größe sind sie mit einem Biss auch schon im Mund verschwunden.

Leckere Mutzenmandeln mit Puderzucker
Leckere Mutzenmandeln mit Puderzucker

In der rheinland-pfälzischen Faschingshochburg Mainz kennt man zudem die „Ballbäuschen“ und die „Mutzen“, die nicht zu verwechseln sind mit den Mutzenmandeln, denn da sind die Rheinländer ganz eigen!

Sehr gerne isst man deutschlandweit an Fasching den schmackhaften und farbenfrohen Konfetti-Salat der vorwiegend aus winzigen Sternchennudeln, Mais, Paprika, Zwiebeln, Erbsen und Dressing besteht.

 

Bei den Süßspeisen gehören in reichlich siedendem Fett ausgebackene Schmalzgebäckstücke wie die Berliner Pfannkuchen dazu, die man meist kurz und knapp nur „Berliner“ nennt. Diese gibt es zur Faschingszeit inzwischen nicht nur in Berlin zu kaufen sondern deutschlandweit in sämtlichen Bäckereien. Dieses faustgroße Siedegebäck aus süßem Hefeteig variiert von Bundesland zu Bundesland mit seinen Füllungen.

In Süddeutschland wird der Berliner eher mit roter Marmelade gefüllt, in Franken mit Hagebuttenmark, in Ostdeutschland mit Pflaumenmus und in Österreich mit Marillenkonfitüre. Neuerdings sind Varianten im Handel zu finden, die mit Sahne, Schoko- oder Vanillecreme, Pudding, Eierlikör, Punsch oder Baileys gefüllt werden. Berliner Krapfen können mit Puder- oder Kristallzucker bestreut sein, es gibt sie jedoch auch mit Zuckerguss oder kakaohaltigen Überzügen.

Weitere Faschingshighlights sind Krapfen aller Art, also Gebäckstücke aus Hefeteig, die auch mal mit salzigen Füllungen wie Gemüse, Käse oder Fleisch gefüllt sein können und ebenfalls über das Frittieren hergestellt werden.

Rheinische Krapfen werden beispielsweise gar nicht gefüllt, dabei handelt es sich um einen Brandteig mit Rosinen, der nur in Zimt und Zucker gewälzt wird.

In Norddeutschland sind die in Fett ausgebackenen „Förtchen“ sehr beliebt, die Hessen und die Thüringer nennen diese süßen Küchlein „Kräppel“, im Saarland heißen sie „Faasekiechelcha“, in der Domstadt Aachen ist es der „Puffel“ und in Sachsen-Anhalt sowie in Niedersachsen nennt man diese Gebäckart „Prilleken“, die es dort sowohl in Kugel- als auch in donutartiger Ringform gibt. Im Siegerland bestehen diese Krapfen aus einem Quarkteig und werden „Krebelcher“ genannt.

In Bayern nennt man das ringförmige Gebäck, dessen Loch in der Mitte von einer dünnen Teigschicht verschlossen wird „Kiachln“ aber auch Bauernkrapfen, bayerische Ausgezogene oder Knieküchle. Sie werden dort mit Zucker bestreut, mit Marmelade bestrichen oder ohne Dekor neutral zu deftigem Sauerkraut gegessen. Also eine absolut breit gefächerte Angebotsvielfalt für köstliche Faschingsrezepte aus allen deutschen Regionen!

Traditionell überliefert  ist es zudem, das zur Karnevalszeit in den gereichten Speisen häufig Hülsenfrüchte und insbesondere Erbsen und Bohnen vorkommen, da diese Gemüsesorten von alters her als Zeichen der Fruchtbarkeit gelten und deshalb vielfach beim Kochen Verwendung finden.
Hierbei ist der Brauch des „Erbsenbärs“ oder auch „Strohbär“ genannt eine typische Figur in der fränkischen und schwäbisch-alemannischen Fasnet. In einer Strohhülle aus diversen Stroharten gefertigt, steckt ein Mensch und tapst ungelenk wie ein Bär im närrischen Faschingstreiben mit, daher rührt der Name. Dieser Erbsenbär in Gestalt eines wilden Mannes steht für Unheil durch Gottesferne und damit stellvertretend für den Teufel.

Einstige und vielerorts verloren gegangene Schmalznudelvielfalt

Bäuerlicher FaschingsspaßDa heutzutage an den närrischen Tagen meist nur noch diverse Berliner und Krapfen in verschiedenen Mach- und Füllungsarten angeboten werden, weiß kaum mehr jemand, was in früheren Jahren für eine Fülle an Schmalznudeln und Siedegebäckarten vorgeherrscht hat.

Um dem Einen oder Anderen nochmals auf die gedanklichen Sprünge zu helfen, seien hier nachstehend diese nostalgischen Schmalzkracher zur Fasnet aufgeführt, die allesamt aus dem süddeutschen Raum stammen:

• Bärentatzen
• Schmalz-Rosen
• Topfennudeln
• Ziegerkrapfen
• bachene Nockerl
• Hasenöhrl
• Schneiderfleck
• Polsterzipf
• Zwetschgenbavesen
• Nonnenfürzli
• Springnudeln
• Topfenzipfel
• Scherben
• Drischlegkrapfen
• Schlenkweihnudeln

Böse Faschingsscherze

Da die närrische Zeit allerorts viel boshaften Schabernack mit sich bringt, ist es üblich, einige „Berliner“ mit Senf zu füllen, was man dem Gebäckstück mit seiner charakteristischen, hellen Mittelnaht von außen natürlich nicht ansieht. Wer in so einen Senf-Berliner herzhaft hineinbeißt, dem wird der Genuss der eigentlich süßen Faschingsspezialität schnell vergehen.

Fazit

Rezepte für die Karnevalszeit gibt es gerade genug aber die Bauern-Rezepte mit ihren ungewöhnlichen und sehr einfallsreichen Faschingsspezialitäten schlagen einfach alles andere aus dem Rennen! Während eines Fasnachts-Urlaubs auf dem Bauernhof kann man diese Köstlichkeiten und natürlich auch die närrische Zeit ausgiebig genießen!