„Milchtankstelle“ und „Regiomat“: Interview mit Frau Clausen – Bauernhof am Wattenmeer

Einige unserer Ferienhöfe, haben die innovative Idee der Direktvermarktung hofeigener Produkte mittels einer Milchtankstelle oder eines Regiomaten schon erfolgreich übernommen. Ein Ferienhof fiel uns zu diesem Thema dabei besonders positiv auf – der „Bauernhof am Wattenmeer“.

Frau Anke Clausen, die Bäuerin des nur 300m hinter dem Seedeich des Weltnaturerbes „Nordfriesisches Wattenmeer“ liegenden modernen und mit 5 Sternen ausgezeichneten Bauernhofs, führt diesen zusammen mit ihrer Familie und es macht ihr trotz der oft anstrengenden Arbeit richtig viel Spaß – das hört man ihrer sympathischen, hellen Stimme an, als wir telefonisch einige Fragen zum Thema mit ihr erörterten.

Die Milchtankstelle - allzeit bereit!
Der Regiomat und die Milchtankstelle – allzeit bereit!

Auch ihr Hof war von Einbußen wegen der schlechten Milchpreise betroffen. Die Familie Clausen entschied sich im April 2016 mitunter auch deshalb für eine Umstellung zum biozertifizierten landwirtschaftlichen Betrieb, weil durch eine Bio-Zertifizierung eine gewisse Preisstabilität für die hofeigenen Produkte zu erwarten ist.

Die Umstellung „auf Bio“ ist dabei ein länger währender Prozess, da die gesamte Produktion (beispielsweise beim Futtermittel – kein Dünger, kein Spritzmittel) und die Tierhaltung gewisse strenge amtlich kontrollierte Auflagen erfüllen müssen. Kühe dürfen dabei z. B. mindestens 6 Monate lang ausschließlich mit Bio-Futter gefüttert werden, damit ihre Milch als Bio-Milch oder ihr Fleisch als Bio-Fleisch deklariert werden darf.

Bereits im Vorjahr, im April 2015, reagierte die Familie zusätzlich schon mit dem Aufstellen einer „Milchtankstelle“ und eines „Regiomaten“ auf den stetig einbrechenden Milchpreis.

 

Folgende Fragen konnten wir hier mit Frau Clausen zum Thema „Milchtankstelle“ und dem „Regiomat“ klären:

Milchtankstellen-Flyer des Bauernhofs am Wattenmeer
Liebevoll gestalteter Milchtankstellen-Flyer

1. Wie kam es zu der Idee, eine Milchtankstelle auf Ihrem Hof aufzustellen?
Fr. Clausen: „Das war ein toller Tipp von Feriengästen aus Süddeutschland.
Die „Milchtankstelle“ und der „Regiomat“ sind patentierte Erfindungen einer Firma aus der Schweiz. Die Gäste kannten das Geschäftsmodell bereits aus ihrer Gegend, wo es sehr gut angenommen wurde. Wir ließen uns von der Begeisterung anstecken, befanden die Idee für gut und waren schließlich der 1. Betrieb in Nordfriesland, der eine Milchtankstelle der deutschen Firma Hensing aus Emsdetten aufstellen ließ.“

2. Wie läuft der „Tankvorgang“ genau ab?
Fr. Clausen: „Unsere Kunden können ihren eigenen Behälter mitbringen oder aber eine aus PET oder eine aus besonders stabilem Glas gefertigte und geschirrspülmaschinen-geeignete Flasche aus dem neben der Milchtankstelle stehenden „Regiomaten“ erwerben.

Den Feriengästen auf unserem Hof stellen wir pro Wohnung für die Dauer ihres Aufenthalts zwei Glasflaschen zur Verfügung, damit immer frische Milch auf dem Frühstückstisch stehen kann – hier füllen manche Gäste vor dem Tankvorgang Kakaopulver in den Behälter, um dann ein super-leckeres Milchmischgetränk zu erhalten.

Beim Abfüllen an der „Milchtankstelle“ muss die Flasche wie beim Bierzapfen schräg untergehalten werden. Das Geld wird eingeworfen, die Menge der Milch bestimmt und los geht’s. Der Automat kann Restgeld auszahlen und es liegen immer Ersatz-Deckel für die Flaschen bereit.

Die Rohmilch bieten wir an unserer „Milchtankstelle“ für 1,- €/Liter an.“

3. Was macht die „Milchtankstelle“ für Ihre Kunden so interessant?
Fr. Clausen: „Die Kunden können 24 Stunden und unabhängig von unserer Anwesenheit leckere angenehm gekühlte Milch erwerben.“

4. Wie wird die Milch 24 Stunden lang frisch gehalten und was passiert mit der nicht verkauften Milch?
Fr. Clausen: „Unsere Rohmilch wird mit Hilfe eines Kühlaggregats permanent auf 4 – 5 Grad Celsius herunter gekühlt. Alle 20 Minuten wird die Milch durch ein integriertes Rührwerk im 100l-Tank für drei Minuten gerührt. Der nicht verkaufte Rest der Milch wird täglich an unsere Kälber verfüttert.“

5. Welche Mindest- und welche Höchstmenge kann pro Kaufvorgang vom Kunden erworben werden?
Fr. Clausen: „Im Prinzip kann jede Menge gezapft werden, die die Kunden haben möchten. Die Mindestabnahme-Menge sind 250 ml und die Grenze nach oben ist offen – wir haben natürlich immer die Möglichkeit, den Tank wieder mit neuer Milch zu befüllen.“

6. Wie lange bleibt die am Milchautomaten „gezapfte“ Milch frisch?
Fr. Clausen: „Die Milch aus unserer „Milchtankstelle“ (4% Fett mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen) bleibt bis zu 2 Tage lang frisch, wenn die Kühlkette nicht unterbrochen wurde.“

 

Auch zum Thema „Regiomat“ konnte uns Frau Clausen Interessantes erzählen:

Regiomat auf dem Bauernhof am Wattenmeer
Regiomat auf dem Bauernhof am Wattenmeer

1. Was genau ist ein „Regiomat“?
Fr. Clausen: „An einem „Regiomaten“ kann man eine Vielzahl an regionalen Produkten 24 Stunden am Tag einkaufen.“

2. Welche Produkte kann man über ihn bei Ihnen erwerben?
Fr. Clausen: „Unser „Regiomat“-Sortiment wechselt saisonal. Das Grundsortiment besteht bei uns aus frischen hofeigenen Hühnereiern (momentan leben ca. 180 freilaufende Hühner auf unserem Hof) und diversen Wurstspezialitäten, die wir in Zusammenarbeit mit unserem Schlachter aus hofeigenem Fleisch produzieren, wie z. B. Schweine-Mettwurst, Blutwurst, feine und grobe Leberwurst, Rindersalami, Lammsalami und Sauerfleisch – eben auch typisch nordfriesische Spezialitäten.

Im Herbst bieten wir unseren Kunden auch köstliche selbsteingemachte Konfitüren und Gelees.

Dank der Mobilen Käserei, die auf unserem Hof mit unserer Milch (dieses Mal waren es 1000l) drei verschiedene Sorten Käse hergestellt hat, welcher jetzt die richtige Reife erreicht hat, können wir unseren Kunden bald neben dem „Traum von Eiderstedt“ – einer original Eiderstedter Joghurtspezialität – auch leckeren Käse aus eigener Produktion anbieten.

3. Wie werden diese Produkte frisch gehalten?
Fr. Clausen: „Unsere „Regiomat“-Produkte werden mit Hilfe eines Kühlaggregats auf 5 – 7 Grad Celsius permanent herunter gekühlt.“

 

Allgemeine Fragen zum Thema Direktvermarktung:

1. Seit wann gibt es die „Milchtankstelle“ und den „Regiomat“ auf Ihrem Hof denn schon?
Fr. Clausen: „Seit dem 12. April 2015 ist unsere „Milchtankstelle“ mit dem „Regiomaten“ nun in Betrieb.
Zur feierlichen Eröffnung veranstalteten wir damals einen herrlichen Hoftag mit vielen Aktivitäten, wie z. B. unserem lustigen „Kuh-Bingo“. Als Gewinn gab es dann leckere Präsentkörbe, zusammengestellt aus den Produkten des „Regiomaten“. Diese schöne Aktion und überhaupt unsere Hof-Besichtigungstage kommen bei den Feriengästen und auch bei den Einwohnern von Eiderstedt und Sankt Peter-Ording immer großartig an und wir freuen uns, immer eine Vielzahl von Besuchern auf unserem Hof begrüßen zu dürfen.“

2. Wie wurde diese Möglichkeit der Direktvermarktung Ihrer Hofprodukte denn vom Kunden angenommen?
Fr. Clausen: „Bis heute haben wir nur sehr positive Resonanz von unseren Kunden erhalten.
Im Winter ist der Bedarf der Kunden nicht ganz so groß – die Abnahme im Sommer fängt aber bislang den geringeren Absatz im Winter ab.

3. Hat sich die Anschaffung der beiden Automaten aus Ihrer Sicht gelohnt?
Fr. Clausen: „Ein klares „Ja“ würde ich da sagen.“

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Clausen für dieses freundliche und ausführliche Interview und wünschen ihr und ihrer Familie weiterhin viel Erfolg mit dieser innovativen Initiative zur Direktvermarktung ihrer hofeigenen Produkte!

 

Filmteam zu Besuch auf dem Bauernhof am Wattenmeer

2016 kam übrigens auch extra ein Filmteam auf den Bauernhof am Wattenmeer, um in einem TV-Beitrag zur bekannten Kinder-Fernsehserie „Die Sendung mit der Maus“ (Sommerreise 2016 – Nordseeküste Teil 2 in der ARD-Mediathek) unter anderem über das Thema „Milchtankstelle“ zu berichten.

Zeitungsbericht der Husumer Nachrichten über den Besuch des Filmteams
Zeitungsbericht aus den „Husumer Nachrichten“ 2016

 

Impressionen zur „Milchtankstelle“ und zum „Regiomat“

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Bauernhof am Wattenmeer
Anke Clausen
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