Ferien auf dem Bauernhof (Teil 4) – ein Faktor im Deutschlandtourismus

Gemütliches Frühstück zusammen mit der Familie
Gemütliches Frühstück zusammen mit der Familie

Das Frühstück steht bereit, Tee und Kaffee für die Eltern, Kakao für die Kinder und frische Blumen in der Vase. Auch der Jüngste ist begeistert. „Schaut mal, alles richtig wie im Hotel!“ Eigentlich ein interessantes Gedankenspiel: Wann würde der Bauernhof zum Hotel? Durch ein großes Schild über dem Eingang? Immerhin eine Frage, die von Verbandssprechern mit professioneller Umsicht beantwortet wird.

Laut IHK Berlin erfolgt die Definition der Betriebsarten „in enger Anlehnung an die internationale Terminologienorm DIN EN ISO 186513 und die deutsche Touristische Informationsnorm (TIN) des Deutschen Tourismusverbandes (DTV)“. Das „Hotel“ setzt nicht nur eine Rezeption und tägliche Zimmerreinigung, sondern unter anderem einen „angegliederten Verpflegungsbetrieb“ voraus. Da würde es für die meisten Bauernhöfe schon eng. Über „Hotel garni“ allerdings könnte man in einigen Fällen diskutieren, denn hier sind Frühstück, kleine Speisen und Getränke ein Kriterium. Doch selbst, wenn der Hof wie ein Hotel funktionieren würde, er dürfte sich nie so nennen, denn gefragt ist der Bauernhof. Anderes wäre ein Verstoß gegen alle Regeln des Marketing.

Bedeutung Tourismus

Bauernhofurlaub hoch zu Ross
Bauernhofurlaub hoch zu Ross

Gleichwohl steht jeder, der Urlaub auf dem Bauernhof anbietet, in theoretischer Konkurrenz mit allen anderen Unternehmen der Touristikbranche. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine 2008 veröffentlichte Studie („Urlaub auf dem Bauernhof/Lande“) des Europäischen Tourismus Institut, die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Auftrag gegeben wurde. „Die Urlaubsbetriebe sind überwiegend klassische Bauernhöfe. Rund 43 Prozent der in der Bundesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof/Lande (BAG) organisierte Betriebe erwirtschaften mit dem touristischen Betriebszweig mehr als 25 Prozent ihres Betriebseinkommens. …“ (www.bmelv.de). Diese Leistung wird sicher im Wesentlichen von den weiblichen Angehörigen erbracht.

Immer häufiger gewinnen damit die Einnahmen durch Feriengäste an Bedeutung und der Wettbewerb wird trotz aller Bauernhof-Idylle stärker. Die Autoren der Studie sehen zum Beispiel auch eine wachsende Konkurrenz durch Angebote bei Camping und Ferienparks oder durch Reiseziele in osteuropäischen Ländern.

Vorteile Spezialisierung

Wer sich Wettbewerbsvorteile erschließen will, dem wird auch zur Spezialisierung geraten. 30 Prozent der Betriebe sahen sich 2008 als „Familien- und Kinderferienhof„. Spezielle Zielgruppen (z.B. Radler- und Reiterhöfe) oder Themen wie Wellness standen bei nicht einmal zehn Prozent im Vordergrund, die Hälfte der Betriebe war überhaupt nicht spezialisiert. Hier scheint es höchste Zeit von den berühmten Darwinfinken zu lernen.

Eine weitere Studie (2011) zeigt, dass zwischen April 2010 und Juni 2011 bei einem Drittel aller Bauernhofreisen Kinder unter 13 Jahre dabei waren. Und Eltern oder auch Großeltern mit Kindern werden sicher eine wichtige Zielgruppe bleiben. Trotzdem gewinnen ältere Zielgruppen mehr und mehr an Bedeutung. Auch der Hotelverband Deutschland (IHA) thematisiert dies in seiner neusten Studie zum Hotelmarkt Deutschland (2013). 2035 wird die Hälfte der Menschen in Deutschland 50 Jahre und älter sein, jeder Dritte älter als 60 Jahre.

Scheinbare Sicherheit

Aktives Seniorenpaar beim Radeln

Doch der Hinweis auf die Altersstruktur gibt keine wirkliche Sicherheit. Die Betroffenen können mit dem begleitenden Vokabular kaum etwas anfangen. „Generation 60 plus“ – das klingt nach – sinnstiftender Eingrenzung, ist es aber nicht. Gerade mit zunehmendem Alter gibt es große Unterschiede in Bezug auf Leistungsfähigkeit, Fitness oder Mobilität. Kein Zustand ist verlässlich und der Wandel vollzieht sich schnell.

Was hilft es Anbietern, wenn man ihnen im sympathischen Marketing-Deutsch die Zielgruppe der „Best Ager“ präsentiert? Der Begriff „Master Cosumer“ oder „Generation Gold“ klingt da wenigstens vielversprechender. Aber was nun bei den Gästen gefragt ist, die Kooperation mit Pflegediensten oder die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Mountainbike-Verein, bleibt eine Frage, die jeder selbst beantworten muss.

Kommunikation im Trend

Eines jedoch ist sicher: Das Schild mit der Aufschrift „Fremdenzimmer“ oder „Zimmer frei“ genügt kaum noch. Erfolg werden die Anbieter haben, die sich wachsam im Markt bewegen, Kooperationen eingehen und neue Wege suchen. Das Tourismusgeschäft hat zudem seine Standards, an denen man mehr und mehr gemessen wird. Zum Beispiel wird der Hinweis „Wir sind nicht im Internet“ kaum noch überzeugen. Wenn man noch bedenkt, dass sich der Trend zu Kurzurlauben weiter verstärkt, spricht dies ebenfalls für schnelle Kommunikation. Und die Feriengäste freuen sich, wenn sie dank Twitter erfahren, dass Monis Kalb gesund und munter ist. Im Zweifelsfall gibt es auch noch die kleine Nischen-Zielgruppe der Bauernhof-Puristen – mit Sehnsucht nach Ruhe und einer einfachen Kammer.

Bilder © LIGHTFIELD STUDIOS, Gorilla, iceteastock – Fotolia.com

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