Heute ist Funkensonntag – romantischer Brauch des Winteraustreibens

Das Funkenfeuer - mystischer Brauch
Das Funkenfeuer – mystischer Brauch

Wann fand der erste Funkensonntag statt?
Was versteht man unter einem Funken?
Das Abbrennen des Funkenfeuers mitsamt der Hexenpuppe
Spezielle Funkenfeuer-Bräuche der Regionen und Bundesländer
Was bedeutet der Begriff Funkenwache?
Mystisch-spiritueller Hintergrund der Funkenfeuer
Wer feiert die Funkenfeuer?
Was sind Funkenküchlein?
Begleitende regionale Bräuche zum Funkenfeuer
Bauernregeln zum Funkenfeuer
Fazit

Der so genannte „Funkensonntag“ ist aus dem traditionellen schwäbisch-alemannischen Brauch des Funkenfeuers entstanden. In diesem Sprachraum und vor allem in den Regionen Schwarzwald, Oberschwaben, Allgäu und im gesamten Alpenraum werden am Sonntag nach Aschermittwoch die Funkenfeuer entzündet, mit denen man nach alter Tradition den Winter austreiben will. Deshalb erhielt dieser erste Fastensonntag nach dem närrischen Treiben den Namen Funkensonntag.

Aber nicht nur in den vorgenannten Regionen werden Funkenfeuer entzündet sondern auch im österreichischen Vorarlberg und im Tiroler Oberland, im zu Südtirol gehörenden Vinschgau, in der Schweiz, im Fürstentum Liechtenstein, in der Gegend rund um die Domstadt Aachen, in Ostfrankreich, in Hessen, Thüringen und sogar bei den nordrumänischen Sathmarer Schwaben in Osteuropa. Auf diesen Scheiterhaufen in Rumänien steckt oftmals auf eine hohe Stange  gespießt ein mit Stroh umwickeltes Holzkreuz, das als „Funka“ abgebrannt wird.

Wann fand der erste Funkensonntag statt?

Dieses Brauchtum der Funkenfeuer mit dem urkundlich allerersten Beleg eines Funkensonntags stammt aus einem in lateinischer Schrift verfassten Brandbericht aus dem Jahre 1090, der im Benediktinerkloster Lorsch gefunden wurde.

Was versteht man unter einem Funken?

Als „Funken“ wird ein riesiger Strohhaufen oder ein aus einzelnen Holzbalken oder Scheiten errichteter Holzturm bezeichnet, der am Funkensonntag nach Einbruch der Dämmerung am Abend angezündet wird.

Oft werden übrig gebliebene Weihnachtsbäume, altes Brennholz, Paletten, Astwerk und irgendwelche Bretter dazu verwendet, den Funkenturm zu errichten. Dieses Altholz wird von ehrenamtlich agierenden Gemeindemitgliedern in den einzelnen Haushalten eingesammelt und zum Abbrennplatz getragen, wo es meterhoch aufgeschichtet wird. Das kann dann ein eckiger oder runder Turm werden, manchmal sogar nur ein ungeordnet aufgeschütteter Holzhaufen.

Die höchsten Funken erreichen eine Höhe von bis zu 30 Metern, ihre Feuer und die damit einhergehenden Rauchwolken sind kilometerweit zu sehen. Dieses Feuerbrauchtum soll nicht nur den Winter austreiben sondern auch das Haus reinigen und von Altlasten befreien, was die von jedem Haushalt abgegebenen Bretter und Althölzer symbolisieren sollen.

Funkensonntag - Hexenpuppe verbrennen beim FunkenfeuerDas Abbrennen des Funkenfeuers mitsamt der Hexenpuppe

Um den „Funken“ steht am Funkensonntag das ganze Dorf versammelt und schaut zu, wie dieser Holzturm oder Strohhaufen, auch „Funkentanne“ genannt, abgebrannt wird. Herrscht am Funkensonntag eine sternenklare Nacht, dann besagt eine alte Bauernregel, dass in diesem Jahr eine besonders reiche Kirschernte ins Haus steht.

Im aufziehenden Dunkel der Abenddämmerung wirkt das Funkenfeuer ganz besonders romantisch aber auch ein wenig furchterregend. Zumal nicht selten auf großen, kreuzartigen Pfählen die inmitten des Strohhaufens oder Holzturms stecken, eine Hexenpuppe angebunden wird, die man sogleich mit abbrennt. Denn die Hexe, die in der Mythologie das „Dunkle, Böse und Schwarz-Magische“ verkörpert, soll mit der Austreibung des Winters gleich mit vertrieben werden.

An manchen Orten wird so eine aus Stroh gefertigte Puppe in Form einer Hexe auch nur dem „eiskalten Winter“ gleichgesetzt, der mit dem Entzünden der Funkenhexe vertrieben werden soll, damit das grünende und blühende Frühjahr Einzug halten kann. Es soll durch die Winteraustreibung also neues Leben entstehen!

Nicht selten wird bei diesem Brauchtum die Hexenpuppe mit Schießpulver gefüllt, damit sie beim Abbrennen mit lautem Knall explodiert, was laut klatschend und rufend von der Dorfgemeinschaft gefeiert wird und angeblich großes Glück bringen soll.

Diese uralten Bräuche des Funkenfeuers haben oft schon einen Volksfestcharakter, sie werden mit Musik, gemütlichem Beisammensein und gourmetreichen Speisen bis in die Morgenstunden hinein gefeiert. Fällt der Funken jedoch um, bevor die Hexe explodiert ist, so gilt dies als schlechtes Omen und so wird die Puppe am Funkensonntag in einer gesonderten Zeremonie beerdigt, um die Wirkung des Hexenverbrennens dennoch zu erzielen.

Das Verbrennen einer solchen Hexenpuppe hat im Übrigen absolut nichts mit den Hexenverbrennungen des Mittelalters zu tun. Dabei handelt es sich um einen reinen Fastnachtsbrauch, der erst Anfang des 19. Jahrhunderts entstand.

Spezielle Funkenfeuer-Bräuche der Regionen und Bundesländer

Der Funkensonntag wird in Thüringen und Hessen Hutzelsonntag genannt und demzufolge werden dort die Hutzelfeuer entzündet. Es soll Glück bringen, wenn Paare Hand in Hand über die Glut des Funken- oder Hutzelfeuers springen, ohne sich dabei loszulassen.

Im Moselfränkischen rund um das Saarland, Luxemburg und die Südeifel wird das Funkenfeuer „Burgbrennen“ oder „Hüttenbrennen“ genannt. Dabei wird auf den riesigen Holz- oder Strohhaufen oftmals zusätzlich ein Holzkreuz verbrannt.

Bevorzugt im südbadischen Raum gibt es einen dem Funkenfeuer sehr ähnlichen Brauch, das so genannte „Scheibenschlagen“ oder auch „Scheibenfeuer“ genannt. Diese Bräuche beinhalten, dass unter Zuhilfenahme von langen Stöcken glühende Holzscheiben von Berghängen aus ins Tal hinunter geschleudert werden. Hierzu verwendet man meist biegsame, gerade gewachsene und rund zwei Meter lange Haselnussruten, die mitsamt der glühenden Scheibe in einen speziell dafür konstruierten Holzbock gespannt werden, wo man sie dann spannt und abschlägt.
Die Holzscheibe aus Hartholz weist ein mittiges Loch auf mit dem sie auf den Stecken gespießt und im Feuer zum Glühen gebracht wird. Nachdem der Stecken in den Scheibenbock gespannt wurde, wird er weit nach hinten gebogen und nach vorne schnellen lassen, womit die glühende Holzscheibe in hohem Bogen davongeschleudert wird.

Im Allgäu werden am Funkensonntag die so genannten Funkenküchle gereicht und in Unmengen verspeist und in Österreich ist so ein Funkensonntag meist mit einem abschließenden Feuerwerk verbunden.

Am Funkenplatz spielt vielerorts eine Musikkapelle und die Gemeinde feiert gemeinsam im Schein des Funkenfeuers, bis die letzten Scheite verglüht sind. Die Kinder bringen Laternen oder Lampions mit und nicht selten zieht das ganze Dorf in einem Fackelzug zum Funkenplatz und später wieder zurück in die Gemeinde.

Bursche bewacht das Funkenfeuer
Bursche bewacht das Funkenfeuer

Was bedeutet der Begriff Funkenwache?

In der Nacht von Samstag auf den Funkensonntag ist der Funken am Abbrennplatz bereits aufgebaut worden. Damit niemand das Funkenfeuer frühzeitig entfacht, wird in dieser Nacht meist ein junger Mann als so genannte „Funkenwache“ abgestellt, der den Strohhaufen oder Holzturm bewachen soll. Es soll damit verhindert werden, dass Burschen aus den umliegenden Nachbardörfern das Holz abfackeln, was gerne als boshafter Scherz gemacht wird.

Mystisch-spiritueller Hintergrund der Funkenfeuer

Die eigentlichen Hintergründe des Funkenfeuers sind also nicht nur die Austreibung des Winters, damit der zauberhafte Frühling mit all seiner Blumenpracht ins Land ziehen kann sondern auch das Loslassen von alten Dingen und Glaubensmustern, von schlechten Gewohnheiten, belastenden Erinnerungen und negativen Erlebnissen sowie auch von üblen Krankheiten des vergangenen Jahres.

Dies alles soll geschehen durch die heiße Glut und Kraft des Feuers, welche im eigentlichen Sinne die leuchtende Sonne symbolisiert, die mit ihren Strahlen alles Schlechte in sich aufsaugt aber auch um ihre Wärme und Strahlkraft zu stärken. Dieser Brauch erinnert zudem an die Oster- und Sonnwendfeuer, bei denen ebenfalls das „Böse“ verbrannt, die Sonne gestärkt und Unheil aller Art abgewendet werden soll. Außerdem werden die Funkenfeuer selbst mit den Brandopfern und Fruchtbarkeitsriten der Kelten in Verbindung gebracht.

Wer feiert die Funkenfeuer?

Das tun aus religiöser Sicht die Christen und in weltlicher Hinsicht die Dorfjugend, in vielen Gegenden auch das gesamte Dorf mit Kind und Kegel, Fastnachts-Freunde und natürlich die Mitglieder der Funkengarde.

Funkensonntag - Leckere Auszogene
„Funken-Kiechle“, „Gezogene“ oder „Auszogene“

Was sind Funkenküchlein?

Vorwiegend im schwäbisch-alemannischen Raum werden am Funkensonntag die Funkenküchlein oder auch „Funke-Kiechle und Gezogene“ genannt gereicht. Dabei handelt es sich um ein in heißem Fett ausgebackenes Schmalzgebäck mit hauchdünnem Innenfeld oder auch „Fenster“ genannt und einem dicken, gewölbten Außenrand. Dieses scheibenartige Gebäck wird kurz in heißem Fett schwimmend gebacken, herausgenommen und in einer Zimt- und Zuckermischung gewälzt.

Dazu trinkt man bevorzugt heißen Glühwein oder Punsch. In Lindau am Bodensee haben diese Küchle eine Ringform. Nach dem Scheibenfeuer, das rund um den Bodensee praktiziert wird, schenken die Mädchen ihrem Liebsten die so genannte „Funkenbrezel“, die aus süßem Hefeteig gefertigt ist, der aus Milch, Mehl, Butter, Zucker und Rosinen besteht.

Begleitende regionale Bräuche zum Funkenfeuer

Im Allgäu und in Oberschwaben ist es Tradition am Funkensonntag und manchmal bereits auch schon am Samstagabend in den Wirtshäusern und Vereinsheimen beim Frühschoppen oder abendlichen Beisammensein, um die so genannten Funkenringe zu würfeln. Dabei handelt es sich um ein ringförmiges Hefegebäck, das man oft als Kranzbrot bezeichnet.

Dieses Funkenringwürfeln hat einen mystischen Hintergrund und zwar das der Funkenring als Fruchtbarkeits- und Sonnensymbol gilt.

Im Raum Oberschwaben und insbesondere in der Region rund um die Stadt Ravensburg gehört zum gemeinsamen Aufbau des Funkenfeuers das gesellige Beisammensein in einem Funkenwagen, der meist ein alter, umgebauter Bauwagen ist.

In manchen Gegenden Deutschlands wird das Funkenfeuer mit einem Feuerwagenumzug eingeläutet. Das sind eiserne Wagen, die jeweils mit einer großen Menge brennendem Holz durch die Straßen gezogen werden. In der Schweiz nennt man diese Feuerwagenumzüge „Chienbäse“.

Bauernregeln zum Funkenfeuer

Wenn es am Funkensonntag lange Eiszapfen hat, dann gibt es einen langen Flachs.
Sieht man am Funkensonntag viele Sterne am Himmel, dann gibt es in diesem Jahr auch viele Kirschen!

Fazit

Das Feuerbrauchtum der Funkenfeuer am Funkensonntag nach Aschermittwoch ist nicht nur romantisch sondern auch ein atemberaubendes Spektakel und ein langjähriger Brauch mit Tradition, den man sich nicht entgehen lassen sollte!